Brief an Eugen Drewermann

Rainer Höflacher, Hans-Sachs-Straße 16, 79331 Teningen 

Herrn Dr. Eugen Drewermann 
Paderwall 1-5
D-33102 Paderborn


Lieber Herr Dr. Drewermann, 

wir hatten schon mal Kontakt in der Zeit, als Sie Ihre Lehrerlaubnis von der katholischen Kirche entzogen bekamen. Ich schrieb Ihnen damals mit dem Ziel Ihnen Mut zu machen, worauf Sie mir eines Ihrer Bücher schickten - eine Märcheninterpretation. Das hat mich damals sehr gefreut und berührt. 

Nun sind viele Jahre vergangen und ich schreibe Ihnen ein zweites Mal. Diesmal, um mich bei Ihnen zu bedanken.

Lassen Sie mich aber bitte zuerst  in der angemessenen Kürze ein paar Sätze über mich schreiben:

Ich bin 61 Jahre als, seit 12 Jahren verheiratet, lebe seit 2011  in Teningen in der Nähe von Freiburg im Breisgau, habe keine Kinder, arbeitete bis 1992 in der Softwareentwicklung, mit 35 Jahren musste ich in die Frührente, seit 1999 engagiere ich mich intensiv in der Selbsthilfe psychiatrieerfahrener Menschen. Ich habe schon 18 Psychiatrieaufenthalte wegen einer schizoaffektiven Störung hinter mir, meist auch auf der geschlossenen Station.

Ich glaube schon mein ganzes Leben an Gott, hatte aber bis vor kurzem einen Glauben ohne Orientierung. Anfang September 2022 war ich für drei Nächte im Kloster Lichtental in Baden-Baden. Es war das erste Mal, dass ich in einem Kloster übernachtete. Tief inspiriert durch zwei Bücher, die ich in der Klosterbibliothek kaufte und vermutlich getragen durch die Gebete der Zisterzienserinnen, entschied ich mich für die Bibel und für die Nachfolge Jesus. Parallel dazu wechselte ich mein Antidepressivum. Seitdem geht es mir gut, nachdem ich ca. 2 Jahre eine schwere Zeit hatte. 

Ich habe ihr Interview in der Evangelischen Zeitung zum Ukraine-Krieg gelesen. Dieses beeindruckte mich sehr. Ich bin schon immer vom Pazifismus berührt, aber habe mich nie getraut, dazu zu stehen. Ich war unsicher über die Konsequenzen eines Verzichtes von Waffen, hatte Angst was mein Umfeld dazu sagt, konnte nicht gut dafür argumentieren, aber vor allem traute ich mir die menschliche Größe nicht zu, Pazifismus im Ernstfall zu leben. Eigentlich bin ich eher ängstlich, was Gewalt und "psychisch gesunde" Menschen anbelangt. 

Aber wie Sie schreiben, ist es notwendig gewaltfrei zu leben, wenn man Jesus ernst nimmt und ihn sich nicht so zurechtbiegt, wie man ihn gerade braucht. 

Ich möchte nun dieses Wagnis der Gewaltfreiheit eingehen und danke Ihnen sehr herzlich, dass Sie Menschen wie mir diesen Weg leichter machen und mich darin bestärken!

Ich wünsche Ihnen genügend Kraft ihre politische und am Menschen orientierte Haltung so lange wie möglich erfolgreich weiter zu verfolgen.

Und weiter wünsche ich Ihnen ein langes, aktives Leben, viel Freude und dass Gott sie beschützt

Ihnen ganz liebe Grüße 
Rainer Höflacher 

 

P. S.:

Übrigens begleitet mich Konstantin Wecker aus der Ferne schon fast durch mein ganzes Leben. Auch wenn es dabei Durststrecken gab, hat er mein Leben stark beeinflusst. 

Wenn Sie Zeit haben und Interesse, dann freut es mich, wenn Sie auf meinen neuen Blog schauen, den ich Anfang November 2022 begonnen habe: www.unser-haus22.de


 


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