Verweltlichung

Hallo lieber Leser,

schön, dass du diesen Eintrag lesen willst. 

Ich merke, es ist gar nicht leicht dieses intensive Glaubensleben aufrecht zu erhalten, wenn der Arbeitsalltag wieder stattfindet. Die Intensität lässt nach. Ich verweltliche sozusagen und Bibelverse kommen mir irgendwie fremd vor. Ich glaube, ich muss mir früh am Morgen eine Stunde Zeit nehmen und mich mit Glaubensdingen beschäftigen, zum Beispiel beten, Bibel lesen, Youtube schauen, Blog schreiben, Sekundärliteratur lesen. 

Gestern hatte ich mit einem Bekannten ein gutes Gespräch, unter anderem auch über Glauben. Er glaubt an Gott, aber nicht an Jesus, bezeichnet sich aber als Christ. Gott habe das Christentum erfunden, nicht Jesus. Er betet jeden Tag mehrere Stunden. Er meint, das sei der Hauptgrund, dass es ihm gut geht. 

Als wir über das Beten sprachen, war er der Meinung, dass das ganz individuell sei und frei. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich bezüglich Beten dazulernen sollte. Die Dialoge mit Gott genügen mir nicht mehr. Als ich gestern zum Bahnhof gegangen bin, habe ich etwa 10 Minuten hintereinander das Vaterunser gebetet. Das war gut gewesen.

Ein anderer Bekannter hat mir von seinen Aufenthalten als Kind in unterschiedlichen katholischen Heimen erzählt. Man habe ihn dort schrecklich behandelt und diejenigen die am deutlichsten als Christen aufgetreten sind, seien die Schlimmsten gewesen. Das war der Grund, dass er aus der Kirche ausgetreten ist und sich einen eigenen Glauben, nur für sich selbst, entwickelt hat.

So oft habe ich es schon gehört, dass in der katholischen Kirche junge Menschen dermaßen gequält wurden, dass sie für ihr ganzes Leben spirituell geschädigt sind. Von den Missbräuchen emotionaler und sexueller Art möchte ich gar nicht reden. Ich kann nicht verstehen, wie man mit der Aufgabe Gottes Wort zu verkünden, so etwas tun kann. Ist es das Zölibat, dass die Kirchenmänner und Kirchenfrauen so verändert? Ich weiß es nicht.

Heute habe ich seit langem wieder Zweifel, ob ich die richtige Entscheidung bezüglich Rücktritt getroffen habe und ob ich es schaffe weiterhin meinen Glauben so intensiv zu leben. Eigentlich ist es normal, dass ich nicht endlos in dieser Freude leben kann. Es ist wie es ist und Emotionen kann man nicht festhalten. 

Gott, mein Vater. Du bist mir immer noch präsent, aber meine Freude darüber zu dir gefunden zu haben, ist kleiner geworden. Mir ist schwerer. Lass mich wieder besser schlafen und ich bin sicher, sie kommt dann wieder zurück. Solange möchte ich dich mit der Hingabe anbeten zu der ich im Moment noch fähig bin. Du bist immer noch der Boden auf dem ich stehe und dieses schriftliche Gebet bringt mich dir wieder näher. Deine Liebe ist grenzenlos. Ich habe dich bisher nur sehr eingeschränkt wahrgenommen und sehe deine Schönheit nur in sehr kleinen Ausschnitten. Ich möchte dich als unbeschreiblich große Person verehren und nicht abstrakt. Es braucht noch sehr viel, bis ich nur ansatzweise das für dich empfinde, was du mir anbietest. Du sollst die größte Größe in meinem Leben sein und ich möchte dir mein Leben widmen. 
Amen


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