Vom Beten und sich entwickeln

Guten Tag, liebe Leserin oder lieber Leser, immer noch interessiert meine Texte zu lesen oder ist es vielleicht sogar der erste, den du in diesem Blog liest? 

Leider tue ich mich immer noch schwer mit dem Beten. Früher hatte ich immer einen Gedankendialog im Kopf mit Gott oder mit Jesus, aber auch mit anderen Personen geführt. Das habe ich für meine Art des Betens gehalten. Inzwischen sehe ich das anders. Egal, wie wahr diese Dialoge waren, Beten ist mehr als ein einfaches Gespräch mit Gott oder Jesus. Irgendwie ist es mehr, ohne dass ich das genau beschreiben kann. Es ist ein besonders Gespräch. Es sollte mit einer bestimmten Haltung gesprochen werden. Mit einer gewissen Feierlichkeit. Leider fehlen mir die Worte genau zu beschreiben, was ich meine. Ich weiß nur, dass ich das Beten noch lernen muss. Es wäre vermutlich hilfreich, laut zu beten. Das könnte mir helfen. Ich merke aber, dass ich davor zurückschrecke. Ich traue mich nicht. Vielleicht strenge ich mich auch einfach nicht ausreichend an. Aber ich bin mir sicher, dass Jesus diesbezüglich Geduld mit mir hat. Er möchte nicht, dass ich mich unter Druck setze, sondern mit Freude und in Freiheit ihm näher komme. So bleibt mir nichts anderes übrig, als vorläufig schriftlich zu beten. Das geht gut und fällt mir nicht so schwer.

Wie betest du? 

Mein Herr Jesus, bitte habe Geduld mit mir, damit ich Geduld zu mir haben kann. Ich habe Klaus geschrieben, dass ich meinen Weg nicht mehr suche, sondern schon auf ihm unterwegs bin. Auf meiner To-do-Liste habe ich viele konkrete Punkte stehen, aber ich merke, dass viele davon noch nicht umgesetzt sind, sondern nur sehr wenige. Ich weiß nicht, wie lange ich noch Zeit für meinen neuen Weg habe. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass  Psychiatrieerfahrene zwischen 10 bis 20 Jahre  weniger Lebenserwartung haben, macht mich schon nachdenklich und ich nehme auch schon viele Jahre Neuroleptika. So erklärt sich vielleicht auch meine Ungeduld. Ich weiß, dass du den richtigen Zeitpunkt für meine "Bekehrung" gewählt hast, trotzdem bedauere ich, dass diese nicht schon früher stattgefunden hat. Mir kommt es so vor, als hätte ich viel wertvolle Zeit verloren, wie ich grundsätzlich mit meiner Zeit bis jetzt sehr nachlässig umgegangen bin. Nicht alle Versäumnisse sind meiner Erkrankung geschuldet. Aber du wirst dir schon was dabei gedacht haben oder habe ich mich frei dafür entschieden?

So will ich mir selbst den Druck rausnehmen und auf dich vertrauen. Ich habe mich lange genug gezwungen gut sein zu wollen. Das sollte ich bei dir nicht fortsetzen. Und überhaupt sollte nicht mein Wohlergehen im Zentrum stehen, sondern dass ich deine Liebe an die Menschen weiter gebe und mich um die Menschen kümmere - vor allem um die Menschen, die mir nahe stehen. Ich will nicht mehr nur ständig um mich selbst kreisen und mich nicht mehr so wichtig nehmen. Ob ich diese fast lebenslange Prägung los bekomme bezweifle ich stark, aber dran bleiben will ich und mich dann eben an kleinen Erfolgen erfreuen. 
Amen


Kommentare

  1. Dein Gebet in Schriftform ist wunderschön!!!
    Du fragst, wie andere beten. Also ich sitze am liebsten an meinem Küchentisch und bete laut. Laut deshalb, damit meine Gedanken sich nicht total wieder in etwas anderes verlieren. GOTT ist laut Bibel ja sowohl Vater als auch König und auch Herr, aber auch Freund. Und so sind meine Gebete auch oft ganz unterschiedlich.
    Nur Gedankenreisen mit Menschen würde ich nicht machen, das erinnert mich eher an esoterische Telephathie, aber das hast du ja schon richtig erkannt.

    Mit der Lebenserwartung bei Neuroleptika musst du dir als Christ womöglich nicht Sorgen machen, da in der Bibel steht: Meine Zeit steht in deinen Händen, und nicht in den Händen von Neuroleptika. Grüße von Heidi

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    1. Liebe Heidi,

      vielen Dank für deinen schönen Worte!

      Ja, ich sollte es auch mal versuchen laut zu beten. Ich kann mir vorstellen, dass es das einfacher macht, aber es kostet mich auch ziemliche Überwindung.

      Ich dachte der Vater ist Gott und Jesus König und Herr. Habe sowieso Probleme damit, dass da zwei Personen für mich da sind und ja auch noch der heilige Geist. An wen soll ich mich da wie und mit was wenden? Da hilft mir der Gedanke an die Dreieinigkeit bisher wenig.

      Liebe Grüße
      Rainer

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