Gott bleibt

Schön, liebe Leserin und lieber Leser, dass du Lust hast diesen Post zu lesen. Danke! Ich hoffe, er sagt dir etwas. 

Heute habe ich einen Freund im Pflegeheim besucht. Er ist schon etwas älter als ich. Wir kennen uns schon seit ein paar Jahren und haben schon viel über Glaube und Spiritualität geredet. Ich war regelmäßig bei ihm in der Wohnung und wir sind uns immer näher gekommen. Ich bewunderte seine Art zu leben. Er lebte sehr zurückgezogen und beschäftigte sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Zen-Buddhismus, aber auch das Christentum lag ihm immer sehr am Herzen. Obwohl sein Vater fast fanatisch gläubig war, hatte dieser ihn einen liebenden Gott gelehrt und Jesus verehrt mein Freund seit seiner Kindheit.

Nun war mein Freund vor 2-3 Wochen gestürzt und hat sich dabei kompliziert den Arm gebrochen. Er hatte schon vor längerer Zeit bei einer Untersuchung beginnende Demenz diagnostiziert bekommen. Das merkte man auch zunehmend bei ihm. Er sagte selbst, dass sein Gedächtnis immer schlechter würde und ihm viele Worte nicht mehr einfielen. Aber jetzt mit dem Sturz verschlechterte sich sein geistiger Zustand schlagartig und heftig. So kam es, dass er in ein Pflegeheim gebracht werden musste. Er wusste bis zu meinem Besuch nicht, wo er war und dachte er sei noch in seiner Wohnung. Vielleicht hat er es bis zum nächsten Mal auch schon wieder vergessen. Die Altenpflegerin fragte er, ob sie der Hausmeister sei. 

Da er kaum Kontakte hat, fühle ich mich für ihn verantwortlich. Ich konnte allerdings mit seiner sehr fürsorglichen Nachbarin telefonieren, bei der er fast schon zu Familie gehöre, sagte sie mir. Wir vereinbarten, dass sie sich im Weiteren um seine Angelegenheiten kümmert und mich auf dem Laufenden hält. Ich werde ihn aber weiter regelmäßig besuchen. 

Warum ich hier das in diesem Blog schreibe? 

Meinen Freund und mich verbindet das Interesse an Spiritualität. Er hat sich 30 Jahre mit Zen-Buddhismus beschäftigt und hatte ein enges Verhältnis zur katholischen Religion. Sein Vater war sehr streng mit ihm. Schlug ihn, wenn er Sonntags den Gottesdienst schwänzte. Aber sein Vater brachte ihm trotzdem überzeugend einen liebenden Gott nahe. Als einen Helfer in jeder Not. Jesus hat mein Freund schon seit seiner Kindheit sehr geliebt. Er hat den Großteil seines Lebens versucht trotz großer Affinität zum Zen-Buddhismus, den christlichen Glauben nicht ganz aufzugeben. Trotz allem war Gott sein geliebter Vater und Jesus ein wegweisender Mensch. Zuletzt hatte er den Geist für sich entdeckt und war der Meinung, dass der Geist der Ursprung alles Seins sei und Gott aus dem Geist heraus entstanden sei. Dies sei aber nicht mit dem Heiligen Geist zu verwechseln. 

Als ich jetzt also letzten Samstag bei ihm im Pflegeheim war, hatten wir trotz seiner Demenz ein gutes Gespräch. Auf der Ebene von Religion verstanden wir uns immer noch, obwohl er die physische Realität nur noch teilweise korrekt wahrnahm. 

Besonders interessant ist es für mich, dass er sagte, dass er sich in nächster Zeit dem Christentum annähern wolle. Das bestätigt meine Vermutung, dass es äußerst schwer ist, wenn man in unserer christlichen Kultur aufgewachsen ist und Gott und Jesus als Kind intensiv nahe gebracht bekommen hat, östliche Lebenshaltungen zu verinnerlichen. In einer Zeit, wenn der Geist schwindet, finden wir dann leicht zu den archetypischen Vorstellungen von Gott-Vater und seinem Sohn Jesus zurück. Der Zen-Buddhismus hatte meines Freundes Persönlichkeit sehr positiv für ihn und seine Umwelt im Laufe seines Lebens verändert. Aber jetzt im Grenzbereich zum Unbewussten findet er zurück zum Gott seiner Kindheit. 

Mein Freund hatte im Alter von 3 Jahren ein traumatisches Erlebnis, als er Zeuge einer Beerdigung wurde. Er sagte mir, das es sein lebenslanges Streben gewesen sei, seine Angst vor dem Tod zu besiegen. Beim letzten Treffen sagte er, dass ihm das jetzt endlich gelungen ist. 


Kommentare

  1. Lieber Rainer,
    ich lese gern, was du für Erfahrungen sammelst und dabei auch Gott immer mehr kennenlernst. Du schreibst so schön, dass man es gut und gern lesen kann
    Heute habe ich endlich mal wieder den PC angeworfen und kann daher hier besser schreiben, als über das Handy. Daher jetzt etwas ausführlicher meine Gedanken zu deinem Freund.
    Zunächst mal finde ich das sehr schön von dir, dass du ihn besuchst. Ich habe auch mal längere Zeit im Heim jemand betreut und weiß, wie anstrengend das auf Dauer auch manchen Tag sein kann, jetzt mit den Coronaschutzmaßnahmen umso mehr. Er wird sich bestimmt freuen, wenn er dich als jemand "Vertrautes" sieht und sich nun in seinem Thema Glauben auch etwas sicher und "zu Hause" fühlen.
    Das ist ja schlimm, dass sein leiblicher Vater ihn so gezüchtigt hat - ich glaube, er wollte vielleicht unbedingt sein Kind im Glauben und unter dem Segen Gottes wissen. Es ist schon fast ein Wunder, dass dein Freund dennoch Gott und den Herrn Jesus als liebenden Gott und Vater behalten hat.
    Vielleicht suchte er in diesem Zen-Buddhismus einen Ausgleich zu seinem leiblichen Vater??
    Aber: Warum auch immer, wir müssen wissen, dass Götzendienst so ziemlich die schlimmste Sünde ist, die man begehen kann. Schon im 1. Gebot heißt es ja, dass wir keine anderen Götter neben Gott haben sollen und sie nicht anbeten sollen. Wenn du das AT weiter liest, wirst du sehen, dass Gott sogar möchte, dass man die Figuren der Götzen vernichtet! Und die Israliten sollten nicht einmal danach fragen, wie andere Völker ihren "Göttern" dienten, damit sie es nicht nachtun. Auch sollten sie keine Ehe mit Andersgläubigen eingehen, weil deren Religion doch immer abfärbt. Für all das gibt es tatsächlich Bibelstellen.

    Wenn es mein Freund wäre, würde ich nochmal versuchen mit ihm wegen dieser Sache zu beten, dass er dem ganzen Zen-Buddhismus nochmal richtig den "Laufpass gibt".



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  2. Liebe:r Anonym,

    danke für deinen ausführlichen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe! Ja, ich habe zwar noch nicht viel vom Alten Testament gelesen. Eigentlich früher nur Mose und jetzt gerade Jesaja. Aber ich habe jetzt schon verstanden, dass es Gott sehr wichtig ist, dass wir ihn anbeten und keine anderen Götter. Vielleicht das Hauptmotiv des Alten Testaments überhaupt. In dieser Sache kann Gott auch sehr zornig und auch brutal werden. Völker vernichten, Menschen töten und Naturkatastropfen schicken. Ich habe in meinem Zimmer eine Jesus-Figur und viele Buddhas stehen. Sogar eine großes Bild von einem großen Buddha-Kopf, der einen Kopfhörer trägt. Habe mir schon lange überlegt, ob ich die Buddhas wegtun soll, was mit schwer fällt, weil da auch ziemlich schöne darunter sind. Aber dein Kommentar hat mich davon überzeugt, dass meine Buddha-Zeit vorbei ist und ich nur noch Jesus verbunden sein will. Danke für die Anregung!

    Falls es dich interessiert, wie es mir zur Zeit mit meinem Glaubensleben geht, dann lese am besten meinem letzten Blogeintrag "Der Alltag frisst mich auf - Hoffnung auf Weihnachten"

    Dir eine besinnliche Weihnachten und einen guten Start in das Neue Jahr 2023. Vielleicht lese ich aber vorher noch was von dir...

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