Bibelauslegung im Zusammenhang mit Homosexualität

Liebe Leserin, lieber Leser, 

es freut mich, dass du dich heute in meinem Block mit diesem schwierigen Thema beschäftigen willst. 

"Homosexualität und Bibel" beschäftigt mich schon länger. Heute hat es zu einer für mich wichtigen Erkenntnis geführt. Ich dachte, ich könnte es mir einfach machen und die Bibel wörtlich nehmen. Aber gerade bei der Frage von Vereinbarkeit der Aussagen der Bibel und der menschlichen Homosexualität wurde mir klar, dass die Bibel der Auslegung und der Interpretation bedarf, ja gerade danach fordert. 

Die Bibel ist eben nicht eindeutig! Schon alleine die Tatsache, dass es sehr viele christliche Gruppierungen gibt, die alle unterschiedliche Lesweisen der Bibel haben, ist dafür ein Beweis. Es widerstrebt mir zutiefst, alle diese Glaubensweisen abzulehnen, nur weil sie nicht der meinen entsprechen. Ich möchte nicht über diese Menschen urteilen, die teilweise aufrichtig bemüht sind, Jesus zu folgen und zu anderen Schlüssen gekommen sind als ich. Das gilt auch für andere Religionen. Ich glaube, dass fast alle Menschen ein Gefühl dafür haben, was richtig und was falsch ist. Mein Weg ist das Christentum und Gott soll entscheiden, welche andere mögliche Wege es gibt, ein gutes Leben zu führen und wer sich auf einem schlechten Weg befindet. 

Allerdings ist es tatsächlich auch nicht immer so einfach, wenn aufgrund bestimmter religiöser Anschauungen Menschen zu eindeutigem  Schaden kommen. Ich denke, dann erwartet Gott, dass auch wir Menschen aktiv werden. Ich bin der Meinung, dass ein christlicher Glaube auch bedeutet, sich aktiv gegen Missstände und Unmenschlichkeit einzusetzen. Jesus hat sich auch offen gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten ausgesprochen und sich auch sonst eingemischt. Ich weiß, dass das eine große Verantwortung und Herausforderung für einen Christen ist, der ich auch (noch) bei weitem nicht gerecht werde. Aber Jesus weiß, dass ich mich bemühe und wo ich es nicht tue, weist er mich auch zurecht. Nicht selten muss ich ihn da aufrichtig um die Vergebung meiner Sünden bitten, angesichts meiner Inkonsequenz und Bequemlichkeit. 

Es ist mir wichtig, dass ich für mich weiß, was ich glauben möchte beziehungsweise was Jesus mir vorgibt, dass dieser Glaube - auch im biblischen Sinne - für mich schlüssig ist und dass er mit meinem Gewissen vereinbar ist. Wenn ich merke, dass sich in mir eine Regung zeigt, dass ich aus ethischen Überlegungen eine Aussage der Bibel nicht teilen kann, dann muss ich das ernst nehmen. Ich will mich hier an Jesus orientieren. Er ist der zentrale Inhalt des christlichen Glaubens. 

In meiner christlichen Sozialisation habe ich eine Vorstellung von Jesus erworben, die auch biblisch begründet ist. Ich wage zu behaupten, ich kenne den Christus-Geist in großen Teilen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Jesus einen Menschen, der eine von Gott gegebene homosexuelle Orientierung hat und diese mit einem gleichgeschlechtlichen Partner in einer liebevollen Beziehung lebt, als Sünder bezeichnen würde und nicht so annehmen würde, wie sich dieser ihm zeigt. Es gibt für mich eine von Geburt an von Gott gegebene homosexuelle Orientierung, die einem Menschen mit gutem, sinnhaften Grund mitgegeben wurde. 

Zu diesem Thema habe ich den folgenden Satz gefunden, der es für mich auf den Punkt bringt:

Angesichts der Fakten auf beiden Seiten wird ein differenzierter Umgang mit Homosexualität zur Pflicht. Die Homosexualität, die die Bibel beschreibt, erfasst eben nicht das ganze Spektrum erlebter Homosexualität und deshalb dürfen die Bibelstellen auch nicht auf das ganze Spektrum angewandt werden. 

(Rolf Unterlöhner, https://www.zwischenraum.net/was-sagt-die-bibel/gedanken-eines-homosexuellen-christen-eine-biblische-perspektive-zum-thema-homosexualitaet/)

Die Bibel braucht meines Erachtens eine Auslegung nach dem Christus-Geist. Wie würde Christus heute leben und welche Haltung hätte er zu den aktuellen Themen? Das ist die Richtschnur, nach der ich die Bibel auslegen möchte. Damit sind noch lange nicht alle Fragen beantwortet, aber es gibt eine Richtung vor und es gibt für mich die Möglichkeit im Gebet mit Jesus in den Austausch zu kommen - immer auch mit dem Bewusstsein, dass die dunklen Mächte Einfluss auf mich nehmen wollen. 

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